Heiler und Klient

1. Stichworte

Ich möchte über Beziehung sprechen zwischen Heiler und Klient.
Situationen, in denen man feststeckt. Wenn Ärger, Erschöpfung, Enttäuschung auftauchen

• weil man sich bemüht, jemandem zu helfen und verletzt sich selbst
• weil man nur die Wunde sieht (burn out, eigene Themen/Wunden

Drei Säulen Modell des Selbstwertgefühls, Frage der Identität, Nazare Inayat.
HIK How to Treat the Wounded: 1 mit Sympathie begegnen,
2 Hoffnung geben, 3 den geheilten Menschen, das Potenzial sehen
4 identifiziert sein mit der Seelenebene

1.1. Im Außen : Heiliger Raum – Heilige Zeit

klarer Raum, zeitliche Grenzen geben Sicherheit und Verlässlichkeit. Nicht den Patienten festhalten, ihn gehen lassen. Andererseits gibt es Patienten, die ein Abhängigkeitsproblem haben und am Ende der Sitzung Bedeutungsvolles, ein neues Thema äußern, um festzuhalten.
Auch finanziell: wie viel nehmen oder keines. Anderer Ausgleich?
Frequenz 3, 10, 40 Tage oder einzelne Stunden einmalig oder über längere Zeit.

1.2 Im Innern:

Sicherheit herstellen, in der Heilung geschehen kann, in der Klienten ihren Raum haben. Verlässlichkeit und Sympathie, Wohlwollen.

Das Entscheidende: Die Heilerin soll in einer guten Einstimmung sein, sich dadurch in der Kraft fühlen, in der zur Quelle, mit dem Geist der Führung verbunden, darüber vermittelt sie auch Sicherheit.

Sich im Klaren werden, welche einzelnen Energien/Kräfte die Klienten brauchen, und sich dabei der Ganzheit der übrigen Energien/Kräfte bewusst bleiben (holistisches Denken):

a) Fünf Magnetismen
b)Vier Unermesslichen
c) vier Aspekte der Heilkraft
kosmisch (al-Hayy), transzendent (al-Quddus),
kreativ-erneuernd (al-Muhyi) und wederherstellend (al-Mu‘id)
d) Fünf Elemente

Wenn eine der vier Unermesslichen in den Vordergrund kommt, z.B. Mitgefühl, dann müssen auch die anderen beachtet werden, wie Liebe, Mitfreude und Gleichmut, Einheit, sonst brennt man aus.

1.3. Identität

Tradition – Zugehörigkeit allgemein zu allen HeilerInnen aller Zeiten und speziell Hazrat Inayat Khan

Heiler als Archetyp : Sehe ich mich im Gleichgewicht vom Heiligen und Meister in den Qualitäten des Heilers.
HIK: Meisterin (expressiv) – Prophetin (im Gleichgewicht) – Heilige/r (rezeptiv)
Wenn man sich selbst als HeilerIn mit einem Archetyp identifiziert: Wovon fühle ich mich angezogen, welche Qualität möchte ich entwickeln. Beispiel Reiki (d.h. beten, rezeptiv sein, Kanal sein). Klärung für sich selbst gibt für Klientin und die Heilerin Sicherheit.

Verwundete Heilerin, Heiler

z.B. Chiron (Zentaurus) als Archetyp, gezeugt unter Gewalt, von der Mutter abgelehnt als Mischwesen (Körper Pferd, Kopf Mensch), ohne Vater aufgewachsen, aber mit Mentor (Apoll). Er wird verwundet durch Speer, den er selbst erfunden hat. Eine andere Version: Ein verletzter Zentaurus, den Chiron heilt, verletzt Chiron. Chiron hat sechs Aspekte:

• Der Weise, kennt Schmerz und Leid
• der Prophet. Weiß, wo die Entwicklung hingeht.
• Der Arzt, er kennt Heilwirkung der Kräuter
• Lehrer, kennt Gesetzmäßigkeiten und Fertigkeiten des Lebens
• Musiker: Atem, Rhythmus, Einstimmung.
• Mentor

Wounded Healer

Sich klar se in über eigenen Wunden.
Es gibt eine bewusste und eine Schattenseite (unbewusste , vorbewusste Ebene) Beeinflussung geht in beide Richtungen zwischen Heiler und Klienten. Auch wenn es um Heilung der Wunden geht. Die verwundete Heilerin erlebt auch Heilung durch Klienten. Wir können neu verletzt werden („vikariierende Traumatisierung“) oder der Fokus, der Blick ist auf die Wunde der Klienten gerichtet und wir sind uns der eigenen Wunde nicht genügend bewusst und diese wird wieder berührt.
Die eigene Verletzung braucht Heilung und mit eigener Heilung stärken wir das heilerische Band zur Klientin für deren Heilung.
Die Heilerin muss für sich genug sorgen und die eigenen Wunden kennen!

Auffassung von den drei Welten wie im Schamismus

Die Heilerin ist in ihren Erfahrungen in Drei Welten gefordert:
Untere Welt
: des Leides, der Schmerzen, der Dunklen Nacht der Seele, Rache und Zorn, Ängste, des Unbewussten. Emotionale Kompetenz, um eigene Erfahrungen wissen.
Mittlere Welt
ist die der Lebenserfahrung. Es braucht Lebenserfahrung vom Heiler. Niederlagen, Scheitern, Erfolge, Partnerschaften.
Obere Welt
: des Lichtes, der spirituellen Erfahrung, die Kraft des Heiligen Geistes, Lichtwesen, Geistwesen

HERMES hält und bewegt sich zwischen Grenzen, leitet durch die untere Welt und durch Träume, Hermes Psychopompos = Seelenführer (mit dem Caduceus-Stab)
Herzensbildung und Potential

Beispiel für Beziehungsqualitäten
Die Qualität der therapeutischen Beziehung in der Psychotherapie ist gekennzeichnet in erfolgreichen Therapien:

I. Akzeptanz, Nichtwertung,
II. Bedingungslose positive Zuwendung
III. Wechselseitige Bestätigung, eine Beziehung von wechselseitigem
Respekt und Vertrauen
IV. Empathie, die Fähigkeit des Klienten, sich durch die helfende Person verstanden zu fühlen
V. Ermutigung, dass der Klient ein Risiko auf sich nimmt und dass er unterstützt wird in seiner eigenen Kompetenz.

2. Risiken und Fallstricke und Verwicklungen

Ein Problem für die Heilerin könnte entstehen in der (intimen) Beziehung zwischen Heilerin und Klientin: eigene Angst vor Nähe kann scheinbar in der heilerischen Beziehung kompensiert werden und es kann so vermieden werden, sich mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen und im eigenen Leben befriedigende Beziehungen zu entwickeln. (Gefahr des Missbrauchs des Klienten durch den Heiler!)
Alle Formen des Missbrauches, der Ausbeutung sind zu vermeiden, ob materielle, finanziell, narzisstisch (z.B. Wunsch nach Ansehen und Macht, danach, bewundert werden zu wollen). Siehe ethische Richtlinien.
Gefordert sind Präsenz, Wachheit, Bewusstheit in Bezug auf unsere Haltung, jedes Wort, das wir aussprechen, was wir denken und fühlen.

2.1 Beziehung: klare Grenzen,

Heilungsauftrag und Ziele für die Behandlung zu Beginn und im Verlauf klären
Wunde und Potential würdigen.
Einsamkeit entsteht, wenn Leid nicht gesehen wird.
Neurobiologisch sind Menschen angelegt auf Kooperation und soziale Resonanz. Zuwendung des Heilers zum Klienten aktiviert im Gehirn des Klienten schmerzverringernde Systeme, wie z. B. körpereigene Opioide.
Bindung als menschliches Grundbedürfnis kann sich in Anwesenheit des Heilers zunächst verstärken. Bei Vermittlung imaginativer Selbsthilfeübungen und Wunsch nach Autonomie des Klienten erhöht die Anwesenheit der Heilerin Konzentration und Fokussierung. Es braucht wiederholte gute Erfahrungen und Geduld, die Klienten müssen für sich regelmäßig die Übungen anwenden.

Achtsamer und bewusster Umgang mit Projektionen:

Projektive Identifikation – z.B. ärgerliche Klienten
Gefühl von Ärger wird beim anderen untergebracht. Deshalb muss sich die Heilerin gut kennen. Und gelassen sein – im Herz zentriert. Oder Freude, welche die Kl. offensichtlich zeigt, kann von einer depressiven Klientin in der Therapeutin erkannt werden, ohne dass sie selbst in sich selbst dies wahrnehmen kann.Gefühle der Klienten werden auf die Heiler projiziert. Alle Gefühle und Empfindungen (sensations) können in Resonanz vom Heiler wahrgenommen werden. Deshalb ist zu üben, Eigenes vom Fremden zu unterscheiden und damit achtsam umzugehen.
Projektion
: Gefühle, die dem Vater, der Mutter u.a. bedeutungsvollen Personen in der Vergangenheit galten, werden auf die Heilerin oder andere Personen übertragen.
In der Psychotherapie unterscheiden wir positive und negative Übertragung, wie z.B. ablehnende, aggressive Gefühle, oder Erwartungen und Wünsche.
Mit Gegenübertragung werden die Gefühle der Therapeuten bezeichnet, die in Reaktion auf die Klienten entstehen und weitergehend als eigene Übertragung solche, die offensichtlich weitgehend unabhängig aus eigenen Themen der Therapeuten stammen und nicht als Reaktion auf die Klienten zu verstehen sind. Projektionen und Übertragungen auf den Pir z.B.: Welche eigenen Gefühle werden projiziert, welche Idealisierungen finden statt?

Wir Menschen projizieren, weil wir Bedürfnisse habe, in Übertragungen und Idealisierungen können wichtige Entwicklungsschritte gegangen werden.
Introjektion
: Wir alle nehmen psychische Inhalte wechselseitig auf. Klienten nehmen vom Heiler Werte, Einstellungen, Haltungen, Gesten, Bewegungen auf, wie alle von ihren Bezugspersonen (Eltern, Pir).
In der weiteren inneren Verarbeitung geschieht Assimilierung und Integration. Es wird sich zu eigen gemacht oder bleibt halbwegs Fremdkörper oder wird abgelehnt.

2.2. professionelle Kompetenz .

Unterscheidung: Sind wir ausschließlich als Begleiterin („Counselor“) tätig, die Selbstheilungskräfte unterstützen, keine Ratschläge geben, keine Problemlösungsvorschläge anbieten, ausgerichtet auf Selbstermächtigung der Klienten, helfen, dass Kl selbst Entscheidung treffen kann – oder als Heilerin gefragt und ob es eine einmalige Sitzung ist oder längere Behandlung?

Die Ausrichtung ist anders:
Wenn der Heiler Methoden der Selbstheilung zeigt, auf eigene Stärken hinweist, dann fördert er von vornherein die Autonomie des Klienten und macht sich überflüssig. Man muss wissen, was dem Bedürfnis der Klienten und was den eigenen Wünschen entspricht.
Als Heiler, der sein Bestes tut, um zu heilen, wendet er in der Heilsitzung Interventionen an, auch wenn sie nicht eingreifend sind. Diese sollen auf andere Art ebenfalls die Selbstheilungskräfte fördern. Gleichzeitig wird er den Klienten häufig ebenfalls Selbstheilungsmethoden vermitteln.

BEISPIEL für Beratung/ counseling: Eine Traumapatientin hat eine Heilerin aufgesucht und der berichtet, dass sie für Andere unsichtbare Wesen sieht. Die Heilerin hat ihr das bestätigt und ihr das geglaubt, hat es gewürdigt. Hat es ernst genommen, dass sie mit Geistwesen in Kontakt ist.
Dieser eine Besuch bei der Heilerin hat ihr in der Psychotherapie bei uns geholfen, indem dann, wenn sie flashbacks hatte, sie in den Wald gelaufen ist und dort sich von den Geistwesen, die sie im Wald gesehen hat, geschützt fühlen konnte.

2.3 Schwerwiegende Krankheit erkennen. Krise ist keine Krankheit.

Wie Schwere Depression (severe depression), Persönlichkeitsstörungen (personality disorder), Psychosen.
Klarheit über notwendige ärztliche Behandlung und eigene Kompetenz.

3. Buddhistisches Modell: Alltagsbewusstsein und Vorratsbewusstsein („Wohnzimmer“ oben, „Vorratsraum“ darunter).

Die systemische Natur der Psyche: Teile oder Ich-Zustände helfen uns, an innere und/oder äußere Bedingungen anzupassen. Diese Teile können gekennzeichnet werden verbal, als Emotion, als Körperempfindung, als Bild. Jenseits der Teile ist in diesem Modell das Selbst gekennzeichnet u.a. durch Zeugenschaft, Mitgefühl, Interesse. Alle Teile gilt es anzuerkennen, zu würdigen, „negative“ und „positive“, soweit sie zu uns gehören. Wenn wir im Selbst zentriert sind, ist unser Zugang zur inneren Führung leichter möglich (occurs spiritual guidance)

Stell Dir vor, schwierigen Kontakt zu jemandem – Konkret -
Man ist verwirrt, ratlos, ärgerlich
- wie sieht dieser Teil dann aus? Welche Form oder Gestalt hat er?
- mit diesem Teil sein (Präsenz)
- seit wann kennst Du diesen Teil?
- was braucht dieser Teil? (Bedürfnis)Hier evtl. an die innere
Führung / den Geist der Führung wenden, einzelne spirituelle Wesen