Intuition – Zitate von Hazrat Inayat Khan

1. Führung und Intuition

Es gibt einen Evolutionszustand in jedermanns Leben, in dem man an einem Punkt angelangt ist, an dem jede Frage durch das Leben, welches uns umgibt, beantwortet wird. Die Antwort auf die Frage entsteht durch den Widerhall auf genau die gestellte Frage. Weil jeder Gedanke eines Weisen, überhaupt alles zu einer Widerspiegelung wird , in der er ertönen kann, und in diesem Widerhall liegt eine Antwort. Somit liegt die Antwort in der Frage selbst verborgen. Die Antwort steigt aus der Tiefe alles Seienden empor, wie der Klang einer Glocke , die geschlagen wird oder wie bei einem Wasserspritzer oder dem Krachen eines Feuerwerkskörpers.: sie alle enthüllen ihre Beschaffenheit, wenn sie berührt werden, ebenso wie ein Klopfen an der Tür.

Es gibt ein Wissen, welches ich mit den Sinnen erlangen kann, und dann wiederum gibt es ein Wissen, welches ich allein mit dem Mind erfassen kann, und ein Wissen, welches von der Seele erkannt wird.

Die eigene Seele des Sehers wird zur Lampe in seiner Hand; es ist sein eigenes Licht, welches seinen Weg erhellt. Das ist zu vergleichen mit einem Suchscheinwerfer, der in dunkle , vorher nicht einsehbare Winkel gerichtet wird, die auf diese Art und Weise klar und ausgeleuchtet werden. Es verhält sich genauso mit Problemen, die man ohne Erhellung nicht verstehen kann, oder das Durchsichtigmachen von Menschen mit Hilfe von Röntgenstrahlen, erstere waren zuvor ein wahres Rätsel. Derjenige, der dieses Wunderwerk betrachtet, erkennt in jedem Gesicht das Göttliche, so wie ein Betrachter den Maler in dessen Bild erkennen kann.

2. Der universelle Mind

Es gibt eine deutlich tiefere Ebene, mit der unser Erinnerungsvermögen verbunden ist, diese Ebene ist das universelle Erinnerungsvermögen, mit anderen Worten, der göttliche Mind.

Wie kann ich höheres Bewusstsein erlangen? Indem wir unsere Augen vor unserem begrenzten Selbst verschließen, und indem wir unser Herz für Gott öffnen, der die Vollkommenheit verkörpert, der im Himmel und auf der Erde weilt, der innen und außen ist, der Gott, der Alles in Allem darstellt, der sichtbar und zu greifen, zu hören, zu empfangen, zu verstehen ist und dennoch jenseits des menschlichen Verstehens.

Spiritualität ist nicht ein bestimmtes Wissen, Spiritualität ist die Ausdehnung des Bewusstseins. Je weiter sich das Bewusstsein ausdehnt, umso größer ist die spirituelle Vision. Und wenn erst einmal das Bewusstsein so immens ausgedehnt ist, dass es das gesamte Universum umarmen kann, dann ist das die göttliche Vollkommenheit.

3. Shaghal

Um inneres Wissen zu erlangen, bedeckt der Sufi die andere Seite der Seele, so dass sein Spiegelbild den Geist erblickt und nicht die äußere Welt. So bald ihm dies gelingt, empfängt er Inspirationen und Enthüllungen.

Richte deinen Blick nach hinten, richte deine Augen nach innen. Dann sind die gleichen Augen, die in der Lage sind , nach außen zu schauen, befähigt, nach innen zu sehen. Manchmal schaut das dritte Auge durch die zwei anderen Augen, dann sehen diese zwei Augen klarer als sie es sonst getan hätten.

Öffne ich meine Augen zur äußeren Welt, fühle ich mich wie ein Wassertropfen in der See; wenn ich jedoch meine Augen schließe, nehme ich das ganze Universum wie eine Luftblase wahr, die in dem Ozean meines Herzens emporsteigt.

Um Einsichten zu gewinnen, dringt der Mystiker in die Tiefen der Wirkungsweisen des Universums ein.

Derjenige, der sich nicht nur auf das Äußere, sondern auf das Innere und auch auf die Essenz alles Seienden einstimmt, erhält einen Einblick in die Essenz des ganzen Seins, und deswegen gelingt es ihm im gleichen Ausmaß, sogar in einem Samen den Duft und die Schönheit einer Rose zu entdecken und sich daran zu erfreuen. Er berührt sozusagen die Seele des Gedankens. Das ist genauso als wenn ich die Pflanze sehe , ich eine Vorstellung von der Wurzel erhalte. Auf diese Weise wird Unbekanntes bekannt , und Dinge, die nicht zu sehen sind, werden von dem Mystiker empfangen, er nennt es Enthüllung/Offenbarung.

(Saut-e Sarmad zuhören:) Ein himmlischer Segen entspringt dem Herzen eines Sufis, sein Mind ist gereinigt von Sünden, sein Körper von allen Unreinheiten, und ein Weg öffnet sich ihm in die Welt des Unsichtbaren; er empfängt Inspirationen, Intuition, Eindrücke und Enthüllungen ohne die geringste Anstrengung seinerseits. Er ist nicht mehr abhängig von einem Buch oder Lehrer, weil die göttliche Weisheit, das Licht seiner Seele, der Heilige Geist auf ihn scheint. So wie Sharif es sagt: „ Mit Hilfe des Lichts der Seele erkenne ich, dass die Schönheit der Himmel und die Größe der Erde das Echo Deiner magischen Flöte wiedergeben.“ II p67

3. Geist

Die Eigenschaften aller Dinge werden eher in ihrem Geist/ihrer Seele gefunden denn in ihnen selbst.

Wenn ich meine eigene Seele, meinen eigenen Geist offenbare/enthülle, fällt der Schleier von allen Dingen.

Es gibt eine Stufe, indem ich eine bestimmte Entwicklungsphase meiner Existenz erreiche, in der man sich über alle Begrenzungen des Lebens erhaben fühlt, und in der ich mich beschenkt fühle von der Kraft und dem Frieden und der Freiheit, dem Licht und dem Leben, welches zu der Quelle alles Seienden gehört. In diesem Moment der absoluten Erhöhung/Erhebung bist du nicht nur mit der Quelle alles Seienden vereint, sondern du löst dich in ihr auf, denn die Quelle ist dein eigenes Selbst. Es fühlt sich an als ob du die Gegenwart Gottes spürst/berührst, wenn das Bewusstsein so licht und befreit und frei geworden ist, dass es sich erheben und in die Tiefen unseres Seins eintauchen und sie berühren kann.

4. Spüren, Erfahren

Der Seher nimmt die unterschiedlichen Zustände derjenigen vor und von ihm entfernt wahr, das ist vergleichbar mit dem Prozess des Essens und Verdauens. Der Mund unterscheidet zwischen süß und sauer, Gemüse und Getreide, aber sobald die Nahrung geschluckt wird, wird das Gefühl, was damit verbunden ist, gefühlt und nicht so sehr die äußerlichen Unterscheidungen, sondern die innere Essenz. Auf diese Art und Weise deutet ein Seher das, was eine Person, die er betrachtet, wiederum in ihrem Mind analysiert hat. Er wird zu dem, was sein Mind erfahren hat, ebenso verhält es sich mit seiner Seele.

5. Imagination

Jede Imagination ist solange Intuition bis sie vom Verstand negativ beeinflusst wird, und wenn Intuition durch den Verstand korrumpiert wird, wird sie zum Hirngespinst. Sobald wir es (das Hirngespinst) uns ausdenken, stürzen wir sofort herab aus den höheren Gefilden, der spirituellen Quelle der Informationen und benutzen irdische Hilfsmittel, um das herzustellen, was in den Himmel gehört. Deswegen ist es das erste Gebot, das Wissen um Äußerliches von dem um Innerliches zu trennen.

6. Blick

Das Auge des Sehers wird zu einem Schwert, welches alle Dinge öffnet, einschließlich der Herzen der Menschen , und es sieht klar und deutlich all das, was sie enthalten. Dieser Blick öffnet, entschlüsselt und enthüllt. Er gestaltet nichts, sondern erweckt eine bestimmte Qualität, die vielleicht noch schlief.

Als erstes gilt es, diesen Blick unter Kontrolle zu bekommen. Als nächstes ist es wichtig, die Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Und als drittes ist es notwendig, das Bewusstsein unter Kontrolle zu haben.